2000 bis ca. 2300 EEG-Untersuchungen werden jährlich bei Kinder – und Jugendlichen vom Säuglingsalter- bis zum 18. Lebensjahr durchgeführt. Durchführung der EEG-Diagnostik bei den in der folgenden Indikationsliste angeführten Krankheitsbildern bzw. Störungen:
Indikationen für die EEG-Diagnostik
- Abklärung zerebraler Anfallsleiden bzw. anfallssuspekter Ereignisse unterschiedlichster Art und Genese
- i.R. der Diagnostik bei vorliegender allgemeiner Entwicklungsstörung unterschiedlichster Art und Genese
- ausbleibende Sprachentwicklung bzw. nicht geklärte oder anzunehmende Sprachentwicklungsverzögerungen
- bestätigte anderweitige Teilleistungsstörungen
- ungeklärte geistige Behinderungen bzw. Syndrome
- i.R. der Erstellung von Gutachten (z.B. bzgl. Legasthenie)
- bestätigtes ADS bzw. ADHS, insbesondere vor Methylphenidat-Therapiebeginn bzw. im Therapieverlauf
- i.R. der Diagnostik bei ICP
- fakultativ bei Mikro-/Makrozephalie
- Abklärung von medikamentös bedingten Intoxikationen
- Abklärung von Kopfschmerzen fakultativ
- i.R. der Abklärung bei Ein- und Durchschlafstörungen
- z.A. von (Meningo-)Enzephalopathien
- i.R. der Diagnostik bei V.a. Hirndrucksymptomatik (u.a. Hydrocephalus mit/ohne Ventilversorgung)
- vor Cochlear Implant (CI)-Versorung bzw. im Verlauf
- Schädelhirntraumata als Akutdiagnostik bzw. im Verlauf
- i.R. der Abklärung bei Battered Child
Personelle Ausstattung
Team von 3 in dieser Untersuchungstechnik im pädiatrischen Bereich speziell ausgebildeten Medizinisch Technischen Assistent(inn)en. Abteilungsleitung durch Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde mit EEG- und Epileptologie plus Zertifikat sowie Schwerpunktbezeichnung Neuropädiatrie.
Apparative Ausstattung
Das Instrumentarium zur EEG-Diagnostik (Fa. Schwarzer, System Harmony) besteht aus drei 29-Kanal-Computer-EEG-Anlagen mit simultaner digitaler Videoaufzeichnung und aus einem digitalen Langzeitrecordingsystem mit 29 Kanälen für stationären Bereich inklusive simultaner Videoaufzeichnung sowie mit 25 Kanälen für den ambulanten Bereich. Die Auswertung der EEG- bzw. Videodaten erfolgt rechnergestützt, die Archivierung ist CD-basiert. Zur Patienten- bzw. EEG-Verwaltung ist eine Datenbankanbindung verfügbar.
Diagnostisches Spektrum
Die Diagnostik umfasst im Speziellen in videogestützten digitalen Verfahren, Routine-, Wach- und Müdigkeits-EEG-Untersuchungen mit Durchführung der Hyperventilation und Fotostimulation bei parallel registrierender EKG-Frequenz, darüber hinaus auch an gezielteren Fragestellungen orientierte Ableitungen. Hierzu zählen z.B. die Verwendung spezieller patientenorientierter Hauben- und EEG-Kanal-Anordnungen, der Einbezug von polygraphischen Kanälen oder die Prüfung bestimmter kognitiver Teilbereiche, wie Lesen und Rechnen im Rahmen von weiterführender Frequenzanalyse, sowie die begleitende Testung auf orthostatische Dysregulation in Form des Schellong-Verfahrens.
Neben den angesprochenen Routine-EEG-Verfahren, welche bei allen eingangs genannten Indikationen zur Anwendung kommen und über einem Zeitraum von jeweils mindestens 20 Minuten stattfinden, gehören zum Spektrum der EEG-Diagnostik auch aufwändige Schlafableitungen mit Videodokumentation, welche eine Zeitdauer bis zu etwa einer Stunde umfassen können. Voraussetzung für das Gelingen ist hier patientenbezogen unter Umständen die Durchführung eines Schlafentzuges bzw. die Gabe von Melatonin zur Schlafinduktion. Komplettiert wird das diagnostische Angebot durch Langzeit-EEG-Untersuchungen. Die Schlafentzug- bzw. Langzeitableitungen haben den diagnostischen Schwerpunkt in der Klärung von durch den Übergang zum Schlaf induzierten bzw. insbesondere während der Nacht auftretenden anfallssuspekten Bewegungsmustern im Hinblick auf eine evtl. Epilepsieentwicklung. Weiterhin können ohne klinische Erscheinungen ablaufende, sogenannte bioelektrische Schlafstaten, insbesondere unter Anwendung der Langzeitaufzeichnung, registriert bzw. ausgeschlossen und anfallssuspekte Ereignisse bei simultaner Registrierung von EEG und Video klassifiziert werden.
Fachübergreifende Therapie und Zusammenarbeit
Die Komplexität der Krankheitsbilder und die teilweise gravierenden bzw. mehrfachen Behinderungen der Patienten erfordern eine fachübergreifende Zusammenarbeit zur Festlegung fallbezogener geeigneter diagnostischer Maßnahmen.
Es besteht eine enge Kooperation mit den Kollegen der Sprachabteilung und Genetik bei spezifischen entwicklungsbezogenen Fragestellungen bzw. intendierter syndromatologischer Abklärung, des Weiteren mit den psychologischen bzw. in der Sozialarbeit, in der neurophysiologischen Diagnostik, in der Physio- , Ergo- und Musiktherapie tätigen Kollegen.
Was ist die Elektroenzephalographie?
Die Elektroenzaphalographie stellt nach wie vor eine der wichtigsten neurologischen Untersuchungsmethoden insbesondere auch im Kindes- und Jugendalter dar.
Im Elektroenzephalogramm, kurz EEG genannt, werden die Hirnströme abgeleitet und aufgezeichnet. Diese entstehen durch die Funktion der Nervenzellen.
Wie wird ein EEG abgeleitet?
Das EEG ist eine schmerzfreie und vollkommen ungefährliche Untersuchung. Die Hirnströme lassen sich mit sehr empfindlichen, auf die Kopfhaut aufgesetzten, Messelektroden und Geräten ableiten.
Ängstliche oder unruhige Kinder müssen abgelenkt werden, da schon geringe Bewegungen oder Muskelverspannungen zu Störungen der Hirnstromkurve führen können. Dennoch gelingt es den erfahrenen EEG-Assistent(inn)en fast immer, eine verwertbare Kurve abzuleiten. Nur ausnahmsweise ist die Gabe von Mitteln zur Schlafeinleitung erforderlich.
Das EEG wird üblicherweise im Wachzustand durchgeführt. Dabei haben größere bzw. kooperative Kinder meist während der Untersuchung die Augen geschlossen. Sie sollen dann auf Ansprache die Augen öffnen oder schließen.
Das EEG im Wachen erfolgt über die Dauer von mindestens 20 Minuten und beinhaltet auch verschiedene Provokationsmethoden. Es wird eine Photostimulation durchgeführt. Durch diese rhythmischen Blitzserien, welche von einer Lampe ausgesendet werden, lässt sich erkennen, ob sich evtl. Anfälle durch Flackerlicht auslösen lassen.
Eine weitere Provokotionsart ist die Hyperventilation, dies bedeutet kräftiges Ein- und Ausatmen, wodurch bestimmte EEG-Veränderungen deutlicher werden können.
Im Wachzustand und im Schlaf ist das Hirnstrombild unterschiedlich, so dass bei bestimmten Fragestellungen auch Ermüdungs- oder Schlafphase für die Beurteilung von Bedeutung sind.
Ein EEG im Schlaf kommt auch dann in Betracht, wenn die Patienten unter Wachbedingungen zu unruhig sind und die Untersuchung demzufolge nur eingeschränkt auswertbar ist. Die zusätzliche Schlafableitung dauert etwa 30-45 Minuten und kann entweder im Spontanschlaf oder nach mehrstündigem Schlafentzug, d.h. spätem Zubettgehen und zeitigem Aufstehen, erfolgen.
Sollten durch das Routine-Wach- bzw. Schlaf-EEG noch bestehende Fragen ungeklärt bleiben, z.B. wenn Anfälle nur sehr selten bzw. im Schlaf auftreten, muss evtl. ein Langzeit-EEG für einen längeren Zeitraum, über Nacht bzw. bis zu 24-Stunden, abgeleitet werden. Dazu werden die Messelektroden auf der Kopfhaut angeklebt um einem zu raschen Ablösen vorzubeugen. Die Untersuchung kann mobil, d.h. mit einem tragbaren Recorder, oder stationär mit Positionierung der EEG-Anlage nahe dem Bett des Kindes stattfinden.
Für gewöhnlich wird zeitgleich mit dem EEG auch ein Video durchgeführt (Videodoppelbildaufzeichnung). Hierbei lassen sich Ereignisse im EEG und nach klinischer Beobachtung unmittelbar vergleichen bzw. zuordnen.
Zur EEG- und Video-Aufzeichnung sowie zu der entsprechenden Auswertung dient ein Computersystem mit einer speziellen Recording- und Analysesoftware. Die damit verbundene digitale Datenverarbeitung erlaubt auch bei komplexen Fragestellungen detaillierte Aussagen.
Was kann das EEG aussagen?
Das Hirnstrombild ist abhängig von der Wachheit bzw. Müdigkeit, von Sinneseindrücken, die durch Öffnen und Schließen der Augen oder durch Geräusche entstehen, aber auch vom Lebensalter als Ausdruck der Hirnreifung. Es lässt also Aussagen darüber zu, ob das Kurvenbild altersentsprechend ist und normal auf die angesprochenen akustischen und optischen Reize reagiert.
Das Haupteinsatzgebiet des EEG ist die Anfalls- bzw. Epilepsiediagnostik. Ein während eines Anfalles abgeleitetes EEG bietet eher die Möglichkeit, sogenannte epilepsietypische Muster nachzuweisen, während ein im anfallfreien Intervall aufgenommenes EEG oft nicht so eindeutig und aussagekräftig ist. Es ist dann notwendig, durch die o.g. Provokationsmethoden oder durch wiederholte Ableitung sowie gegebenenfalls eine ergänzende Schlaf-EEG-Untersuchung eine Klärung herbeizuführen.
Die EEG-Diagnostik hat darüber hinaus einen Schwerpunkt bei der Abklärung von Entwicklungsverzögerungen und Teilleistungsstörungen, Lern- und Konzentrationsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten wie u.a. nächtliche Unruhe und Angstzustände, sowie Schlafstörungen. Weiterführende diagnostische Aussagen lassen sich auch bei Hirnverletzungen, entzündlichen Hirnerkrankungen, bestimmten Stoffwechselstörungen und nicht anderweitig klassifizierbaren Syndromen erhalten.